Neue Gentherapie für Netzhauterkrankungen - Voretigen Neparvovec

Erstmalig steht im Bereich der Augenheilkunde eine Gentherapie für seltene, bisher nicht behandelbare Augenerkrankungen aus dem Kreis der erblichen Netzhauterkrankungen zur Verfügung: Voretigen Neparvovec (Handelsname: Luxturna®) wird angewendet für erwachsene und pädiatrische Patienten, die eine erbliche Netzhauterkrankung aufgrund von nachgewiesenen biallelischen RPE65-Mutationen aufweisen und über ausreichend lebensfähige Netzhautzellen verfügen.1

 

                                                                                                        Auge erhält eine Injektion© Novartis

 

Erbliche Netzhauterkrankungen stellen eine große Herausforderung dar, weil sie auf Veränderungen einer Vielzahl unterschiedlicher Gene beruhen können.2, 4 Diese wirken sich auf die Fotorezeptoren und Zellen des Pigmentepithels im Auge aus und führen zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Sehkraft sogar bis hin zur Erblindung.3, 4

 

Es gibt verschiedene Formen von erblichen Netzhauterkrankungen, zu den häufigsten gehören unter anderem7: Retinitis pigmentosa, Lebersche kongenitale Amaurose, Stäbchen-Zapfen-Dystrophie, Bardet-Biedl-Syndrom, Morbus Stargardt und das Usher-Syndrom.

 

Eine mögliche Ursache einer erblichen Netzhauterkrankung kann eine Veränderung in beiden Kopien des RPE65-Gens sein, sogenannte biallelische Mutationen. Dadurch kann ein bestimmtes Protein (RPE65) seine wesentliche Rolle bei der Erneuerung des Sehpigments Rhodopsin nicht mehr erfüllen und wird zudem begleitet von einem Verlust der Netzhautzellen.1, 8,9 In Österreich wird die Häufigkeit dieser Erkrankung auf 1:200.000 geschätzt.10

 

Erste Symptome zeigen sich häufig schon im Kindesalter, wie z.B. Nachtblindheit (Nyktalopie), Verlust der Lichtempfindlichkeit, Verlust des peripheren Visus, Verlust der Schärfe und Klarheit des Sehens, beeinträchtigte Dunkeladaption und repetitive unkontrollierte Augenbewegungen (Nystagmus).5,6

 

Wenn Symptome und Hinweise auf eine erbliche Netzhauterkrankung bestehen, ist für die klinische Diagnose ein genetischer Test erforderlich, hierfür ist eine Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum notwendig.

 

Die psychische Belastung für Patienten und ihr Umfeld ist sehr hoch11 und so auch der Bedarf an einer Behandlung. Mit der neuen, einmalig zu applizierenden Gentherapie steht eine transformative Behandlung nun zur Verfügung.

 

So wirkt die neue Gentherapie:

 

Voretigen Neparvovec kann den Prozess der Visusverschlechterung und allmählicher Erblindung entgegenwirken und somit das Leben betroffener Patienten und deren Angehörigen möglicherweise entscheidend verbessern. Die Gentherapie wird dabei einmalig im Abstand von mindestens 6 Tagen in jedes Auge verabreicht. Nach Injektion in den subretinalen Raum wird mit Hilfe Adeno-assoziierter Viren (AAV) eine intakte Kopie des RPE65-Gens in die verbliebenen Netzhautzellen eingeschleust, die die Funktion des defekten Gens übernehmen kann. Durch das intakte RPE65 Gen können wieder RPE Zellen produziert werden und somit auch das Protein RPE65 das für den Metabolismus des Sehzyklus mitverantwortlich ist. Durch den Transport des Proteins in die Photorezeptoraußensegmente der noch vorhandenen Netzhautzellen kann das lichtsensitive Photopigment generiert und die Phototransduktionskaskade (Umwandlung eines äußeren Lichtreizes in ein physiologisches Signal) nach Lichteinfall initiiert werden.

Dadurch kann sich nach subretinaler Applikation von Voretigen Neparvovec das Sehvermögen verbessern und teilweise, wenn auch nicht vollständig, wiederhergestellt werden.1, 4

                                                                                                  Applikation von Luxturna® in den subretinalen Raum © Novartis

 

Die Behandlung mit Voretigen Neparvovec darf nur in einem spezialisierten Augenzentrum erfolgen:

 

Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien

Univ. Klinik für Augenheilkunde und Optometrie Ambulanz für erbliche Netzhauterkrankungen

Leitung: Assoc.Prof.Priv.Doz Dr.med.univ. Markus Ritter

Währinger Gürtel 18-20 - 1090 Wien

Telefon: +43 1 40400-79530

 

© Novartis

 

Versorgung mit Hilfsmitteln:

 

Durch ein verbessertes Sehvermögen steigen auch die Versorgungsmöglichkeiten mit Hilfsmitteln. Je besser die Sehleistung, desto einfacher und effizienter erfolgt die Versorgung mit vergrößernden Sehhilfen. Des Weiteren ist, durch eine höhere Sehleistung, auch die Auswahl an Versorgungsmöglichkeiten größer. Angepasste Sehhilfen können bei einem stabilen Sehvermögen länger zum Einsatz kommen und sind somit auch schonender für unsere Umwelt.

Sehr gerne beraten wir Sie und finden mit Ihnen gemeinsam das für Ihre Bedürfnisse optimale Hilfsmittel. Kontaktieren Sie uns unter 01 / 27 88 333 oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

 

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Quellen:

1. Fachinformation Luxturna® Stand 12/2019.
2. Ha¿er et al. Retina (Philadelphia, Pa.). 2017; 37.3: 417
3. Kellner U, et al. Klin Monatsbl Augenheilkd 2012;229:173–196.
4. Russell S,et al. The Lancet 2017;390:849–860.
5. Chacon-Camacho et al. WJCC. 2015; 3.2: 112.
6. Fahim et al. 2000. https://www.ncbi.nlm.nih. gov/books/NBK1417/.
7 Berger W, et al. Prog Retin Eye Res. 2010;29;335-75.
8. Maguire A, et al. Lancet2009 November 7;374(9701):1597–1605.
9. Morimura H, et al. Proc Natl Acad Sci USA 1998;95(6):3088–3093.
10. Novartis. Data on file. 2019.
11. Khan Z, et al. Adv Med 2016;2016:1–8.

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